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01.09.2026

Zwei neue Briefe im BVW

Brieflogo MWZwei neue Briefe von Mathilde Wesendonck
an Hermann Scholtz im BVW


 1877

Autografen 


Zwei neue Briefe von Mathilde Wesendonck konnten aus dem Nachlass der Urenkelin von externer Link Wikipedia Hermann Scholtz über ein Antiquariat erworben werden.

 
Im September 2026 konnte ich zwei kleine Brieflein - einen Faltbrief vom 31. Oktober 1877 und eine Briefkarte  „Petite Correspondance“ - von Mathilde Wesendonck an den Dresdener Pianisten und Komponisten Hermann Scholtz erwerben.
In der Datenbank BVW - Briefverzeichnis Wesendonck - sind sie unter der ID 0959 und ID 0960 jetzt zu finden.  
 
0001 / ID 0959:  Wesendonck, Mathilde  an  Scholtz, Hermann  vom  Oktob. 31. 77.
von  [Dresden]  14 Wienerstrasse  nach  [Dresden]  Feldgasse (nahe beim Böhmischen Bahnhof)
überl. Autor  /  AQ Messidor
Besitzer, Verbleib, Bemerkungen: Faltbrief; Sammlung Seidel
Signatur, Buch-Nr., Bemerkungen:  
Incipit:  Herr Schulz-Beuthen bittet mich, beifolgende 3 Nummern der Musikzeitung, welche eine Rezension seiner Klavierstücke Opus 19, 22 u. 23 enthält, an Sie gelangen zu lassen, u. theilt so mir zugleich mit, daß Sie ein Schüler von ihm seien u. sich für die Werke des frühern Lehrer's interessieren würden!  
 
0002 / ID 0960:  Wesendonck, Mathilde  an  Scholtz, Hermann  vom  Novbr. 24. 77.
von  [Dresden]  14 Wienerstr.  nach  [Dresden]
überl. Autor  /  AQ Messidor
Besitzer, Verbleib, Bemerkungen: Briefkarte  „Petite Correspondance“; Sammlung Seidel
Signatur, Buch-Nr., Bemerkungen: 
Incipit:  Da ich fürchten muß, daß Ihre Zeit sehr in Anspruch genommen sei, so komme ich Ihnen den Vorschlag zu machen, Montag Nachmittag um 5 Uhr mit uns zu speisen, wo Sie alsdann einige, Ihnen befreundete Musiker beisammen antreffen werden! 
 
Postkarte: Hermann Scholtz. (2) 
 
Die Rückseite der Karte ist beschriftet:
 
Herrmann Scholtz
Prof. d. M., Komponist, Pianist, Musikgelehrter, geb. 9. Juni 1845 zu Breslau, gest. 13. Juli 1918 in Dresden. 1867 auf Anraten Liszt's nach München zu Bülow (Klavier) und Rheinberger (Kontrapunkt). Seit 1875 in Dresden. Von seinen 79 Op. hervorzuh.: Klavierkonzert; Trio Fmoll; Sonate op. 44; 5 Hefte Variationen; Ländler; Balladen; Passacaglia; Variationen für 2 Klaviere; Reihe lyr. Stücke. Weltruf d. s. Chopin-Ausgabe (Peters). 
(s. Riemann.) 
 
Die Texte der Briefe lauten:
 
Nebst einer Zeitung
Herrn
Herrn Hermann Scholtz
Feldgasse (nahe beim Böhmischen Bahnhof)


        14 Wienerstrasse
        Oktob 31. 77.

    Verehrter Herr!

    Herr Schulz-Beuthen bittet mich, beifolgende 3 Nummern d. Musikzeitung, welche eine Rezension seiner Klavierstücke Opus 19, 22 u. 23 enthält, an Sie gelangen zu lassen, u. theilt so mir zugleich mit, daß Sie ein Schüler von ihm seien u. sich für die Werke des frühern Lehrer's interessieren würden! Der Arme ist augenblicklich recht zu bedauern, theils weil Er durch andauernde Krankheit verhindert war seine Stunden zu geben, theils aber auch, weil Er in Zurich, wo man seinem Schaffen keine Theilnahme entgegenbringt, ??? nicht an seinem Platze ist. Es fehlt ihm dort sozusagen Alles, was der Musiker braucht, wenn seine Entwicklung eine fortschreitende normale u. glückliche genannt werden soll. Demnach habe ich nicht den Muth, ihm Dresden als Aufenthaltsort vorzuschlagen, da ich fürchten muß, daß auch hier die Ungunst der Verhältniße die Vorzüge derselben beinahe überwiegen dürften!(?) Es würde mich freuen, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen u. beehren Sie mich, mit Ausnahme von Mittwoch u. Sonnabend, von 12 bis 1 Uhr, alle Tage aber um 2 Uhr zu Hause.

    Hochachtungsvollst zeichnet 
Verehrter Herr, Ihre Frau Mathilde Wesendonck. 
 
* * *
  
        14 Wienerstr.
        Novbr. 24 77.

    Geehrter Herr!

    Da ich fürchten muß, daß Ihre Zeit sehr in Anspruch genommen sei, so komme ich Ihnen den Vorschlag zu machen, Montag Nachmittag um 5 Uhr mit uns zu speisen, wo Sie alsdann einige, Ihnen befreundete Musiker beisammen antreffen werden! Indem ich es wiederhole, wie es mich freuen wird Ihre Bekanntschaft zu machen, 
    zeichnet
mit dem Ausdruck hochachtungsvollen Verehrung
    Ihre
    Mathilde Wesendonck
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Heinrich Schulz-Beuthen komponierte 1871 seinen Liederzyklus 8 Dichtungen von Mathilde Wesendonck nach Gedichten von Mathilde Wesendonck, die in ihren beiden Gedichtbänden veröffentlicht wurden (1862, 1874). Vier davon mussten für Schulz-Beuthen auch schon als Manuskript zur Verfügung gestanden haben. 
  
Außerdem schuf er nach ihren Kindermärchen Dorn-Röschen und Aschenputtel aus ihrem Kinderbuch Märchen und Märchen-Spiele  (1864) das Libretto der wohl ersten Märchenoper Der Zauberschlaf oder Aschenbrödel (1868-1878). Eine Komposition, wenn sie je zu Ende geführt wurde, ist leider, wie vieles andere auch von ihm, nicht erhalten.
 
* * *
  
Der Name Scholtz ist mir bis jetzt anderweitig nur ein Mal untergekommen, hier der Auszug:

Mit einem glänzenden Diner begann der Festabend. Hierauf folgte nach literarischen Vorträgen und Rezitationen (denen ich damals wohl noch nicht immer zu folgen vermochte) unsere instrumentale Darbietung. Diese trug dem Komponisten und uns Mitwirkenden warmen und herzlichen Beifall ein. Mathilde Wesendonck dankte uns mit warmem Händedruck. Dann spielte Prof. Hermann Scholtz externer Link Wikipedia Chopin. Ganz herrlich. Liszt bezeichnete ihn damals als den besten Chopinspieler. Auch externer Link Wikipedia Franz Ries, der Unvergeßliche, ließ sich, von unserem „Onkel Scholtz“ begleitet, auf seiner Meistergeige hören. Ich glaube, er spielte (mit Scholtz) die G-dur-Sonate von Brahms
Richter, Otto: Eine Erinnerung an Mathilde Wesendonck. In: Zeitschrift für Musik, Heft 5, 1934, S. 498–500.

Quelle: Seidel, Thomas (Hrsg.): Spiegelungen & Reflexionen. Beiträge zur Forschung. Mathilde & Otto Wesendonck. Teil II. Herausgegeben von Thomas Seidel. (= Seidel, Thomas (Hrsg.): Schriften des MWV Mathilde-Wesendonck-Verband. Heft 11.) Selbstverlag, Berlin 2026, S. 227.
 
* * *
  
Bilder:
  1. Briefloge MW (Mathilde Wesendonck) 
  2. Postkarte Hermann Scholtz. Zeichnung von externer Link Wikipedia Hubert von Herkomer: H.v.H. 16. Aug 1909. 
    Aus dem Nachlass der Urenkelin / Foto: Antiquariat Messidor.  
 
Links: 
 
Bibliografie:
  
 

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